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Viele Ideen, aber welche setzt Ihr um? So funktioniert Internal Crowdfunding

  • 21. Juli
  • 7 Min. Lesezeit
Internal Crowdfunding als Methode, um die besten Ideen zu finden


Wie Ihr Mitarbeitende nicht nur Ideen einreichen, sondern auch über deren Umsetzung mitentscheiden lasst.


Eins ist gewiss: In Organisationen gibt es viele gute Ideen.


Mitarbeitende sehen Probleme in Prozessen, haben Vorschläge für neue Produkte oder wissen ziemlich genau, was ihre tägliche Arbeit einfacher machen würde.


Also führt das Unternehmen ein Ideenmanagement ein.


Die Mitarbeitenden reichen ihre Vorschläge ein – und dann?


Dann landen die Ideen bei einem kleinen Kreis von Menschen, der entscheiden soll, welche davon gut genug sind, um umgesetzt zu werden.


Und genau hier beginnt häufig das Problem.


Denn drei oder vier Menschen sollen plötzlich Ideen aus völlig unterschiedlichen Bereichen beurteilen. Sie kennen nicht jeden Kontext. Sie können nicht jede Idee gleich gut einschätzen. Und meistens fehlen Zeit und Ressourcen, um alle Vorschläge wirklich zu prüfen.


Die Organisation nutzt also das Wissen vieler Menschen, um Ideen zu sammeln.


Bei der Entscheidung darüber, welche Ideen eine Chance bekommen, verlässt sie sich aber wieder auf das Wissen weniger.

Internal Crowdfunding setzt genau an diesem Punkt an.


Was ist Internal Crowdfunding?


Die Grundidee ist erstaunlich einfach.


Stellt Euch vor, Ihr gebt jedem Mitarbeitenden in Eurer Organisation ein virtuelles Budget von 1.000 Euro.


Gleichzeitig können Mitarbeitende Ideen einreichen, für die sie Unterstützung suchen.


Zum Beispiel:

  • eine neue Software, die einen umständlichen Prozess vereinfacht

  • ein Experiment für eine neue Dienstleistung

  • eine Idee für bessere Zusammenarbeit zwischen zwei Bereichen

  • die Automatisierung einer wiederkehrenden Aufgabe

  • einen Prototyp für ein neues Produkt


Alle Ideen werden für die Organisation sichtbar gemacht.


Nun können die Mitarbeitenden ihr virtuelles Budget auf die Ideen verteilen, von denen sie sich den größten Nutzen versprechen.


Eine Person investiert vielleicht ihre gesamten 1.000 Euro in eine einzige Idee.


Eine andere verteilt ihr Budget auf fünf verschiedene Vorschläge.


Am Ende erhalten diejenigen Ideen ein echtes Budget, die ausreichend Unterstützung bekommen haben.


Die Entscheidung darüber, welche Ideen Ressourcen erhalten, wird damit ein Stück weit von einem zentralen Gremium in die Organisation verlagert.

Das ist Internal Crowdfunding.


Warum Internal Crowdfunding interessant ist


In einem klassischen Ideenmanagement gibt es häufig zwei getrennte Gruppen.


Die einen haben Ideen.

Die anderen entscheiden darüber.


Internal Crowdfunding verändert diese Logik.


Menschen werden nicht nur gefragt:

"Welche Ideen habt Ihr?"

Sondern auch:

"Welche Ideen haltet Ihr für so relevant, dass Ihr einen Teil Eures begrenzten Budgets dafür einsetzen würdet?"

Das ist ein wichtiger Unterschied.


Denn plötzlich reicht es nicht mehr, eine Idee einfach nur „gut“ zu finden. Jede Entscheidung für eine Idee bedeutet gleichzeitig, dass weniger Budget für eine andere Idee zur Verfügung steht.

Damit entsteht eine Form der Priorisierung.


Und gleichzeitig kann etwas sichtbar werden, das in Organisationen oft verborgen bleibt:


Wo sehen die Menschen, die täglich im System arbeiten,
tatsächlich Handlungsbedarf?


So könnt Ihr Internal Crowdfunding in Eurer Organisation einsetzen


Ihr braucht dafür nicht sofort eine komplexe Plattform oder ein unternehmensweites Innovationsprogramm.


Wir würden sogar empfehlen, kleiner anzufangen.


Ein Bereich, 30 bis 100 Mitarbeitende und eine konkrete Fragestellung können vollkommen ausreichen, um die Methode auszuprobieren.


Schritt 1: Definiert den Raum

Bevor Ihr Ideen sammelt, solltet Ihr klären, worum es eigentlich geht.

Eine komplett offene Frage wie:

„Welche Ideen habt Ihr für unser Unternehmen?“

klingt zwar nach maximaler Freiheit, führt aber häufig zu Vorschlägen, die kaum miteinander vergleichbar sind.


Hilfreicher ist eine konkrete Herausforderung.


Zum Beispiel:

"Wie können wir unsere internen Prozesse einfacher machen?"

Oder:

"Welche Experimente sollten wir starten, um unseren Kundenservice zu verbessern?"

Oder:

"Was würde unsere Zusammenarbeit im nächsten Jahr spürbar verbessern?"

Je klarer der Raum, desto leichter können Menschen relevante Ideen entwickeln und später miteinander vergleichen.



Schritt 2: Macht die Spielregeln transparent

Jetzt müsst Ihr festlegen, wie das Crowdfunding funktioniert.

Klärt unter anderem:


  • Wie viel virtuelles Budget bekommt jede Person?

  • Wie lange läuft die Funding-Phase?

  • Welche Informationen muss eine Idee enthalten?

  • Wie viel echtes Budget steht insgesamt zur Verfügung?

  • Was passiert mit den Ideen, die finanziert werden?


Und ganz wichtig:

Wer entscheidet am Ende tatsächlich?

Denn wenn Ihr den Eindruck vermittelt, dass Mitarbeitende entscheiden dürfen, ein Managementgremium die Ergebnisse anschließend aber nach Belieben verändert, verliert die Methode schnell ihre Glaubwürdigkeit.


Deshalb muss vorher klar sein, welchen Einfluss das Funding tatsächlich hat.



Schritt 3: Lasst Ideen einfach einreichen

Macht aus einer Idee keinen Business Case.

Wenn Menschen erst zwölf Felder ausfüllen, eine Wirtschaftlichkeitsberechnung erstellen und eine Präsentation vorbereiten müssen, verliert Ihr viele Ideen bereits an der Eingangstür.

Für einen ersten Vorschlag reichen aus unserer Sicht wenige Fragen:


  • Welches Problem wollt Ihr lösen?

  • Was ist Eure Idee?

  • Für wen würde sich dadurch etwas verbessern?

  • Was braucht Ihr, um die Idee auszuprobieren?

  • Was wäre ein erster kleiner Test?


Mehr braucht es für den Anfang oft nicht.


Schritt 4: Gebt den Ideen Zeit, sich zu entwickeln

Jetzt kommt ein Teil, den wir besonders wichtig finden.


Internal Crowdfunding sollte kein reiner Abstimmungsmechanismus sein.


Die eigentliche Stärke entsteht dann, wenn Menschen Ideen sehen, kommentieren und weiterentwickeln können.


Vielleicht erkennt jemand aus einem anderen Bereich ein ähnliches Problem.

Vielleicht gibt es bereits eine Lösung, von der niemand wusste.

Vielleicht schließen sich zwei Ideen zusammen.


Oder jemand bringt eine Perspektive ein, die aus einem guten Vorschlag einen deutlich besseren macht.

Deshalb würden wir zwischen der Einreichung und dem eigentlichen Funding bewusst Zeit für Austausch einplanen.


Denn das Ziel ist nicht nur, die beste Idee zu finden. Das Ziel ist auch, Ideen gemeinsam besser zu machen.


Schritt 5: Verteilt das virtuelle Budget

Jetzt wird es spannend.


Jede Person erhält dasselbe virtuelle Budget und kann selbst entscheiden, wie sie es verteilt.

Damit nicht einfach nur die bekanntesten Menschen oder lautesten Ideen gewinnen, sollten alle Vorschläge möglichst nach derselben Struktur dargestellt werden.


Je nach Größe der Organisation könnt Ihr zusätzlich kurze Pitches, offene Fragerunden oder einen „Marktplatz der Ideen“ organisieren.


Danach investieren die Mitarbeitenden ihr Budget.


Und das Ergebnis wird sichtbar.



Schritt 6: Macht aus den Gewinnern Experimente

Hier würden wir einen entscheidenden Unterschied zum klassischen Internal Crowdfunding machen.

Eine finanzierte Idee ist noch keine gute Idee.

Sie ist zunächst einmal eine Idee, die viele Menschen für relevant halten.

Deshalb würden wir den Gewinnern nicht sofort das komplette Budget zur Umsetzung geben.

Gebt ihnen stattdessen Ressourcen für einen ersten Test.


Aus:

„Wir führen diese Lösung jetzt ein.“

wird:

„Wir geben dieser Idee die Chance zu zeigen, ob sie funktioniert.“

Definiert gemeinsam eine Hypothese, einen überschaubaren Test und Kriterien, anhand derer Ihr anschließend entscheidet, ob Ihr weitermacht.


So verbindet Ihr Beteiligung mit Lernen.




Ein einfaches Beispiel

Nehmen wir an, 80 Mitarbeitende eines Unternehmens beschäftigen sich mit der Frage:

Wie können wir unnötigen Aufwand in unserem Arbeitsalltag reduzieren?

Innerhalb von zwei Wochen entstehen 24 Ideen.


Nach einer Kommentierungsphase werden daraus 18 konkrete Vorschläge.


Jede Person erhält anschließend 1.000 virtuelle Euro.


Damit stehen insgesamt 80.000 virtuelle Euro zur Verfügung.


Nach dem Funding zeigt sich:

Drei Ideen erhalten besonders viel Unterstützung.

Anstatt diese Ideen sofort vollständig umzusetzen, erhalten die Teams jeweils ein kleines reales Budget und sechs Wochen Zeit.


Danach präsentieren sie:

  • Was haben wir ausprobiert?

  • Was haben wir gelernt?

  • Welche Wirkung konnten wir beobachten?

  • Was würden wir als Nächstes tun?


Jetzt entscheidet die Organisation nicht mehr nur aufgrund einer guten Präsentation.

Sie kann aufgrund erster Erfahrungen entscheiden.



Wo Internal Crowdfunding an seine Grenzen kommt


So interessant die Methode ist:

Wir würden nicht jede Entscheidung einer Organisation darüber treffen lassen.


Die meisten Stimmen bedeuten nicht automatisch die beste Entscheidung.


Menschen kennen manche Themen besser als andere. Strategische Zusammenhänge sind nicht immer für alle sichtbar. Bekannte Personen können mehr Aufmerksamkeit bekommen als unbekannte.

Und eine Idee, die kurzfristig attraktiv erscheint, muss langfristig nicht die richtige sein.


Deshalb ist für uns entscheidend:


Internal Crowdfunding ersetzt keine Strategie.

Die Führung einer Organisation muss weiterhin den Rahmen definieren.


Was wollen wir erreichen?

Welche Probleme wollen wir lösen?

Wie viel Geld können wir investieren?

Welche Grenzen gibt es?


Innerhalb dieses Rahmens kann die Organisation dann sehr viel Verantwortung abgeben.


Das ist ein Prinzip, das uns auch in anderen Kontexten immer wieder begegnet:


Dezentral entscheiden funktioniert besonders gut, wenn der Rahmen zentral klar ist.



Unser Praxistipp: Startet nicht mit der ganzen Organisation

Wenn Ihr Internal Crowdfunding ausprobieren möchtet, würden wir daraus zunächst kein riesiges Transformationsprojekt machen.


Nehmt ein konkretes Problem.


Definiert ein überschaubares Budget.


Ladet einen Bereich oder eine größere Gruppe ein.


Und behandelt den gesamten Prozess selbst als Experiment.


Zum Beispiel:

Unsere Herausforderung: Wie können wir die Zusammenarbeit zwischen unseren Bereichen einfacher machen?


Zeitraum: Vier Wochen.

Ideenphase: Eine Woche.

Weiterentwicklung: Eine Woche.

Funding: Eine Woche.

Auswahl: Die drei Ideen mit der größten Unterstützung.

Umsetzung: Jeweils sechs Wochen als Experiment.


Danach schaut Ihr gemeinsam darauf, was passiert ist.


Welche Ideen wurden unterstützt?

Wer hat sich beteiligt?

Welche Ideen haben sich während des Prozesses verändert?

Haben die geförderten Experimente tatsächlich Wirkung erzeugt?


Und vielleicht die spannendste Frage:

Hat die Organisation anders entschieden, als es ein kleines Entscheidungsgremium getan hätte?


Genau dort beginnt aus unserer Sicht das eigentliche Lernen.



Internal Crowdfunding ist mehr als Ideenmanagement

Das Spannende an Internal Crowdfunding ist für uns deshalb gar nicht nur die Methode selbst.


Es geht um eine grundlegendere Frage:


Wie viel trauen wir eigentlich dem Wissen unserer Organisation zu?

Viele Unternehmen wollen mehr Eigenverantwortung.

Sie wollen Beteiligung.

Sie wollen Innovation.


Doch sobald es um echte Ressourcen geht – Geld, Zeit oder Aufmerksamkeit –, werden Entscheidungen häufig wieder zentralisiert.

I

nternal Crowdfunding dreht diese Logik zumindest für einen begrenzten Raum um.

Mitarbeitende dürfen nicht nur Ideen liefern.


Sie dürfen mitentscheiden, welche Ideen eine Chance bekommen.


Und vielleicht ist genau das der interessanteste Teil der Methode:


Verantwortung entsteht nicht dadurch, dass wir Menschen häufiger nach ihrer Meinung fragen. Sie entsteht dort, wo ihre Entscheidungen tatsächlich einen Unterschied machen.


Fazit:

Gute Ideen brauchen nicht nur Raum,

sondern echte Entscheidungen


Internal Crowdfunding ist kein Garant dafür, dass automatisch die besten Ideen gewinnen. Aber die Methode verändert etwas Entscheidendes: Mitarbeitende werden nicht nur nach ihren Ideen gefragt. Sie bekommen auch Einfluss darauf, welche davon eine Chance erhalten.


Gerade darin liegt für uns die eigentliche Stärke.


Denn wenn Ihr mehr Innovation und Eigenverantwortung wollt, reicht es nicht, Menschen zum Mitdenken einzuladen. Ihr müsst ihnen auch zutrauen, mitzuentscheiden – über Prioritäten, Ressourcen und darüber, welche Ideen ausprobiert werden.


Unser Tipp: Fangt klein an. Nehmt eine konkrete Herausforderung, schafft einen klaren Rahmen und stellt ein überschaubares Budget für erste Experimente bereit.


Vielleicht entdeckt Ihr dabei nicht nur Ideen, die sonst nie umgesetzt worden wären. Sondern auch, wie viel Wissen und Entscheidungskompetenz längst in Eurer Organisation vorhanden ist.

 
 
 

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