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Der Gallery Walk: Workshop-Ergebnisse vorstellen, ohne endlose Diskussionen

  • 27. Dez. 2024
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 2. Juli

Wie Ihr Arbeitsergebnisse sichtbar macht, Feedback sammelt und

die Schwarmintelligenz Eurer Gruppe nutzt.



Wir erleben es in Workshops immer wieder:


Mehrere Gruppen arbeiten engagiert an unterschiedlichen Themen. Nach einer Stunde hängen überall im Raum Flipcharts, Plakate oder digitale Boards voller Ideen.


Und dann beginnt der Teil, vor dem viele Moderator Respekt haben:

Die Vorstellung der Ergebnisse.


Eine Gruppe präsentiert. Danach die nächste. Dann die nächste.

Nach kurzer Zeit sinkt die Aufmerksamkeit. Die ersten schauen aufs Handy. Andere verlieren den Überblick. Und spätestens bei den Diskussionen wird aus einer Stunde schnell eineinhalb.

Genau für solche Situationen nutzen wir häufig den Gallery Walk.


Die Methode hilft Teams dabei, Ergebnisse schnell sichtbar zu machen, voneinander zu lernen und Feedback einzusammeln – ohne lange Plenumsdiskussionen.



Besonders bei Workshops mit mehreren Arbeitsgruppen sorgt der Gallery Walk für mehr Beteiligung, mehr Bewegung und meist auch für bessere Ergebnisse.


Wie die Methode funktioniert, wann sie sinnvoll ist und worauf Ihr achten solltet, zeigen wir Euch in diesem Beitrag.


Wann ist ein Gallery Walk sinnvoll?

Der Gallery Walk eignet sich immer dann, wenn mehrere Personen oder Gruppen parallel an unterschiedlichen Themen gearbeitet haben und die Ergebnisse anschließend für alle sichtbar gemacht werden sollen.


Typische Situationen sind:

  • Strategieworkshops

  • Bereichs-Retrospektiven

  • Open Spaces

  • Teamtage

  • Organisationsentwicklungs-Projekte

  • Zukunftswerkstätten

  • Lessons-Learned-Workshops


Besonders hilfreich ist die Methode bei größeren Gruppen.

Denn je mehr Ergebnisse vorgestellt werden müssen, desto größer wird die Gefahr, dass klassische Präsentationsrunden anstrengend werden. Die Aufmerksamkeit sinkt, Diskussionen verzetteln sich und viele Beiträge gehen verloren.


Der Gallery Walk löst genau dieses Problem.


Statt dass eine Gruppe nach der anderen präsentiert, bewegen sich die Teilnehmenden aktiv durch die Ergebnisse. Dadurch entsteht deutlich mehr Austausch bei gleichzeitig weniger Plenumszeit.



Was ist ein Gallery Walk?

Der Gallery Walk ist eine Methode, bei der Arbeitsergebnisse wie Ausstellungsstücke in einer Galerie präsentiert werden.

Jede Arbeitsgruppe stellt ihre Ergebnisse sichtbar im Raum aus. Anschließend bewegen sich die Teilnehmenden von Station zu Station, betrachten die Ergebnisse, stellen Fragen und geben Feedback.


Die Besonderheit:

Nicht alle diskutieren gleichzeitig über alles.


Stattdessen entstehen viele kleine, informelle Gespräche direkt dort, wo die Ergebnisse entstanden sind.

Dadurch wird das Wissen der gesamten Gruppe genutzt, ohne dass jede Anmerkung im Plenum besprochen werden muss.


Wir nutzen die Methode häufig, wenn wir die Schwarmintelligenz einer Gruppe aktivieren möchten.

Denn oft entsteht der größte Mehrwert nicht durch die Präsentation selbst, sondern durch die Rückfragen, Perspektiven und Ergänzungen der anderen Teilnehmenden.



Die Vorteile eines Gallery Walks


1. Mehr Energie im Raum

Wer schon einmal drei Stunden lang Präsentationen verfolgt hat, kennt das Problem.

Nach der dritten oder vierten Vorstellung sinkt die Aufmerksamkeit spürbar.

Beim Gallery Walk bleiben die Teilnehmenden in Bewegung. Sie wechseln regelmäßig die Stationen und beschäftigen sich aktiv mit den Inhalten.

Das sorgt meist für deutlich mehr Energie und Beteiligung.


2. Mehr Menschen beteiligen sich

In großen Diskussionsrunden sprechen häufig dieselben Personen.

Im Gallery Walk entstehen kleinere Gesprächssituationen. Dadurch beteiligen sich oft auch Menschen, die sich im Plenum eher zurückhalten würden.

Gerade introvertierte Teilnehmende profitieren davon.


3. Alle bekommen einen Überblick

Ohne Gallery Walk kennen viele Gruppen am Ende nur ihre eigenen Ergebnisse.

Die Methode sorgt dafür, dass jede Person die wichtigsten Erkenntnisse aller Gruppen kennenlernen kann.

Das schafft ein gemeinsames Gesamtbild.


4. Feedback entsteht direkt am Ergebnis

Anstatt Feedback mündlich zu sammeln, können die Teilnehmenden ihre Gedanken direkt an den Ergebnissen hinterlassen.

Wir arbeiten dabei häufig mit Post-its oder digitalen Kommentaren.


Das hat zwei Vorteile:

  • Die Rückmeldungen bleiben sichtbar.

  • Die Arbeitsgruppen können sie später direkt weiterverarbeiten.


5. Weniger Diskussionen, mehr Erkenntnisse

Nicht jede Anmerkung muss von allen diskutiert werden.

Der Gallery Walk ermöglicht individuelle Gespräche an den Stationen und reduziert dadurch langwierige Plenumsdiskussionen.

Gerade bei kontroversen Themen schafft das oft eine deutlich produktivere Arbeitsatmosphäre.



Gallery Walk Schritt für Schritt durchführen


Schritt 1: Ergebnisse sichtbar machen

Jede Arbeitsgruppe stellt ihre Ergebnisse an einer eigenen Station aus.


Das können sein:

  • Flipcharts

  • Lernplakate

  • Canvas

  • Prozessmodelle

  • Präsentationen

  • Prototypen

  • Digitale Boards


Wichtig ist, dass die Inhalte gut lesbar und verständlich dargestellt sind.

Schritt 2: Eine Person bleibt an der Station

Jede Gruppe bestimmt eine Person, die die Ergebnisse erklärt und Fragen beantwortet.

Diese Person bleibt während des Gallery Walks an der Station.


Schritt 3: Die Gruppe rotiert

Alle anderen Teilnehmenden bewegen sich von Station zu Station.

Je nach Umfang planen wir meist zwischen fünf und zehn Minuten pro Station ein.


Schritt 4: Feedback sammeln

Die Besucher hinterlassen Anmerkungen, Fragen und Ideen direkt an den Ergebnissen.


Dafür eignen sich:

  • Post-its

  • Moderationskarten

  • Klebepunkte

  • digitale Kommentare


Schritt 5: Erkenntnisse auswerten

Nach dem Gallery Walk kehren die Gruppen zu ihren Ergebnissen zurück.

Sie sichten das Feedback und überlegen:

  • Was nehmen wir mit?

  • Welche Ideen wollen wir weiterverfolgen?

  • Welche Hinweise haben uns überrascht?

Oft entstehen hier die wertvollsten Erkenntnisse des gesamten Workshops.



Erweiterungsmöglichkeiten für den Gallery Walk


Je nach Ziel des Workshops kann der Gallery Walk bereits das Ende eines Arbeitsabschnitts sein.

Häufig nutzen wir ihn jedoch als Übergang in die nächste Arbeitsphase.

Denn nach dem Rundgang liegen meist bereits zahlreiche Fragen, Ideen und Verbesserungsvorschläge vor. Es wäre schade, diese nicht weiter zu nutzen.


Vertiefung durch Task-Forces

Eine Möglichkeit besteht darin, nach dem Gallery Walk themenspezifische Arbeitsgruppen zu bilden.

Die Teilnehmenden entscheiden dabei selbst, welches Thema sie besonders interessiert oder wo sie den größten Beitrag leisten können.


Dafür markieren sie beispielsweise mit einem Post-it oder einem Klebepunkt das Thema, an dem sie weiterarbeiten möchten.


Anschließend entstehen freiwillige Task-Forces, die einzelne Fragestellungen vertiefen.


Das hat einen großen Vorteil:

Die Menschen arbeiten an Themen, für die sie echtes Interesse und Motivation mitbringen.

Wir erleben regelmäßig, dass dadurch deutlich mehr Engagement entsteht als bei einer klassischen Zuteilung durch Führungskräfte oder Projektleitungen.


Prioritäten sichtbar machen

Nach einem Gallery Walk liegen häufig viele gute Ideen auf dem Tisch.

Die Herausforderung besteht dann darin, zu entscheiden, welche davon tatsächlich umgesetzt werden sollen.


Hier bietet sich eine Priorisierung an.


Bewährte Methoden sind beispielsweise:

  • Dot Voting

  • Klebepunkt-Abfragen

  • Impact-Effort-Matrix

  • MoSCoW-Priorisierung

  • 2x2-Priorisierung nach Nutzen und Aufwand


Dadurch entsteht Transparenz darüber, welche Themen für die Gruppe die größte Bedeutung haben.

Gleichzeitig wird verhindert, dass die lauteste Meinung automatisch die höchste Priorität erhält.



Typische Fehler beim Gallery Walk


Der Gallery Walk wirkt auf den ersten Blick sehr einfach.

In der Praxis gibt es jedoch einige Stolpersteine, die wir immer wieder beobachten.


Zu viele Informationen pro Station

Manche Gruppen versuchen, sämtliche Ergebnisse auf einem einzigen Plakat unterzubringen.

Die Folge:

Besucher verbringen ihre Zeit mit Lesen statt mit Austausch.

Weniger Inhalt und mehr Klarheit funktionieren meist besser.


Eine gute Faustregel lautet:

Eine Person sollte die wichtigsten Aussagen innerhalb von einer Minute erfassen können.


Zu wenig Zeit für den Austausch

Manchmal wird der Gallery Walk so eng getaktet, dass kaum Zeit für Fragen bleibt.

Dann entsteht eher eine Besichtigung als ein echter Dialog.

Plane lieber eine Station weniger ein und gib den Teilnehmenden ausreichend Zeit für Gespräche.


Fehlende Fragestellung

Wenn die Besucher nicht wissen, worauf sie achten sollen, bleibt das Feedback oft oberflächlich.

Deshalb geben wir häufig eine Leitfrage mit.


Zum Beispiel:

  • Was überrascht Euch?

  • Was fehlt noch?

  • Welche Risiken seht Ihr?

  • Was würdet Ihr ergänzen?

  • Welche Idee hat aus Eurer Sicht das größte Potenzial?


Die Qualität des Feedbacks steigt dadurch spürbar.


Feedback wird nicht weiterverarbeitet

Der häufigste Fehler entsteht nach dem Gallery Walk.

Es wurden viele Ideen gesammelt, aber niemand nutzt sie.

Deshalb sollte immer Zeit eingeplant werden, damit die Gruppen ihr Feedback auswerten und konkrete Schlussfolgerungen ziehen können.



Unsere Erfahrungen aus der Praxis


Eine Situation begegnet uns in Workshops besonders häufig:

Teams glauben, sie bräuchten eine lange Diskussion, um zu guten Ergebnissen zu kommen.


Unsere Erfahrung ist oft eine andere.

Viele wertvolle Erkenntnisse entstehen nicht in großen Debatten, sondern durch gezielte Rückfragen, Perspektivwechsel und kurze Gespräche direkt am Arbeitsergebnis.

Genau deshalb setzen wir den Gallery Walk so gerne ein.


Die Methode schafft einen Rahmen, in dem viele Menschen gleichzeitig denken, hinterfragen und ergänzen können.


Das erhöht nicht nur die Qualität der Ergebnisse.


Es stärkt auch das gemeinsame Verständnis für die Themen der anderen Teams.

Gerade in Veränderungsprozessen, bei Strategiearbeit oder in organisationsübergreifenden Workshops ist das oft wichtiger als die Ergebnisse selbst.



Checkliste: Gallery Walk vorbereiten


Vor dem Workshop solltet Ihr folgende Punkte prüfen:

✓ Gibt es mehrere Gruppen mit eigenen Ergebnissen?

✓ Sind die Ergebnisse gut sichtbar dargestellt?

✓ Ist genügend Platz für die Stationen vorhanden?

✓ Sind Feedback-Materialien vorbereitet?

✓ Gibt es eine klare Leitfrage für die Besucher?

✓ Ist ausreichend Zeit für Feedback und Austausch eingeplant?

✓ Gibt es einen Schritt zur Auswertung der Rückmeldungen?

✓ Ist geklärt, wie Entscheidungen oder Prioritäten anschließend getroffen werden?


Wenn Ihr diese Punkte berücksichtigt, habt Ihr bereits die wichtigsten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Gallery Walk geschaffen.



Fazit


Der Gallery Walk ist eine einfache, aber äußerst wirkungsvolle Methode, um Ergebnisse sichtbar zu machen, Beteiligung zu fördern und die Schwarmintelligenz einer Gruppe zu nutzen.

Statt langer Präsentationen und zäher Diskussionen entsteht ein lebendiger Austausch direkt an den Ergebnissen.


Die Teilnehmenden erhalten einen Überblick über die Arbeit der anderen Gruppen, geben wertvolles Feedback und entwickeln gemeinsam neue Perspektiven.


Gerade bei Workshops, Open Spaces, Strategietagen oder Veränderungsprozessen gehört der Gallery Walk deshalb für uns zu den Methoden, die mit vergleichsweise wenig Aufwand sehr viel Wirkung erzeugen.


Wenn Du an weiteren Lieblingstools von uns interessiert bist, dann schau Dir an, wie wir klare Verantwortlichkeiten in Organisationen schaffen oder ChatGPT dir helfen kann festgefahrene Teams in Bewegung zu bringen.


Möchtest Du gerne mit Deinen Kolleg:innen noch mehr über Workshops lernen die Arbeit nachhaltig verändern, melde Dich gerne und gönne Dir einen Tag Begleitung mit uns.


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