Der Gallery Walk

Ein Weg in eine diskussionsarme Arbeitsatmosphäre


Abstrakte Skulpturen, inspirierende Fotokunst oder zeitgenössische Malereien zieren die Wände von Kunstgalerien. Besucher bewegen sich hier von Kunstwerk zu Kunstwerk. Beim Gallery Walk wird der Trainingsraum zu unserer Galerie. Die Arbeitsergebnisse von einzelnen Arbeitsgruppen sind die Ausstellungsstücke, die es zu betrachten gilt.

Ziel des Gallery Walk ist es, die Workshop-Teilnehmer für Veränderungsthemen zu sensibilisieren, zum Austausch über bestimmte Themenkomplexe anzuregen und zermürbende Diskussionen im Team auf ein Minimum zu reduzieren.


Doch wie funktioniert ein Gallery Walk? Und mit welchen Herausforderungen gilt es, sich auseinanderzusetzen?

Zermürbende Diskussionen, unproduktive Plenen und Ideen und Vorschläge, die durch starke Eigeninteressen zu Nichte diskutiert werden, sind der Feind jeder Teamarbeit. Sie können jeglichen Raum der freien Entfaltung nehmen und sogar dafür sorgen, dass niemand sich mehr äußern möchte. Dafür ist eine Lösung von Nöten, die eine diskussionsarme und fokussierte Arbeitsatmosphäre schafft.


Gallery what?

Der Gallery Walk kann da Abhilfe schaffen. Wer jetzt denkt, das Büro muss zur Kunstgalerie werden, liegt falsch.

Der Gallery Walk ist eine Moderationsmethode, bei der unter Einsatz von wenig Zeit und viel Aufmerksamkeit Arbeitsergebnisse schnell geteilt und diskutiert werden können.

Sie gibt einen Überblick über die einzelnen Arbeitsergebnisse und ermöglicht einen Austausch über eben diese.

Der Gallery Walk macht sich die Schwarmintelligenz der Gruppe zu Nutzen. Es kommen Meinungen von Individuen zusammen, die letztlich die Weisheit der Masse bilden. In solchen Verbünden hat jedes einzelne Individuum die Möglichkeit, den Schwarm zu steuern und Handlungen zu beeinflussen. So kann das Kollektiv mehr Einflussfaktoren und Lösungsmöglichkeiten berücksichtigen und dadurch besser entscheiden.


Umsetzung des Gallery Walk

Jede Arbeitsgruppe stellt ihr Endprodukt einer Gruppenarbeitsphase an einer für sie vorgesehenen Stelle im Trainingsraum gut sichtbar aus. Das Endprodukt kann zum Beispiel ein Lernplakat, eine Präsentation, eine Foto-Story, oder eine Website sein. Anschließend wählt jede Arbeitsgruppe einen Moderator, der für die Erläuterung der Arbeitsergebnisse verantwortlich ist. Er bleibt an seinem Ausstellungsstück stehen und hält sich für Fragen bereit.

Alle anderen verbleibenden Teilnehmer rotieren nun im Uhrzeigersinn im z.B. im 5-Minuten-Rhythmus von Ausstellungsstück zu Ausstellungsstück und beschäftigen sich näher mit den Ergebnissen der anderen Arbeitsgruppen. Die Moderatoren reagieren auf Rückfragen der anderen Teilnehmer. Haben die Teilnehmer Feedback und Anmerkungen zu den Ergebnissen der anderen Arbeitsgruppen, schreiben sie diese auf das Plakat. Beispielsweise können Post-Its sehr gut dafür genutzt werden. Der Gallery Walk kann somit als Methode zur Zusammenfassung von Open Spaces dienen.


Vertiefungsmöglichkeit

Möchte man die Ergebnisse noch weiter vertiefen, geht dies auch: Die Teilnehmer begeben sich nach dem Gallery Walk (für beispielsweise eine Stunde) in Task-Force-Gruppen, die sie sich selbst wählen und in denen ein bestimmtes Thema vertieft diskutiert wird. Beispielsweise können dafür die Teilnehmer mit einem Post-It Ihren Namen an das Thema kleben, zu dem sie sich gerne tiefer austauschen möchten.

In der Task-Force Gruppe stellt der Moderator des Themas bestimmte Fragen, zu denen er noch inhaltliche Anregungen oder weiteren Input haben möchte. Anschließend überarbeitet jede Arbeitsgruppe ihre Ergebnisse anhand des Feedbacks und der Anmerkungen. Am Ende des Gallery Walks kommen noch einmal alle Teilnehmer im Trainingsraum zusammen. Es folgt eine abschließende Diskussion zu den Ergebnissen der Gruppenarbeit.


An den Gallery Walk kann sich auch eine Prioritätensetzung anschließen. Damit werden die Ergebnisse der Veranstaltung festgehalten und sind für die spätere Umsetzung klar nach der von den Teilnehmern bestimmten Wichtigkeit bereit. Stehen spätere Umsetzungsgruppen noch nicht fest, kann hier auch noch einmal Gelegenheit gegeben werden, seinen Namen an das Thema zu posten, an dem der Teilnehmer gerne teilhaben möchte. (Pull statt Push-Prinzip). Das schafft größeren Buy-In als die klassische Zuordnung durch die Führungskräfte.


Die Vorteile des Gallery Walks

  • Höheres Energielevel: Im Gegensatz zu normalen Diskussionen kommt beim Gallery Walk nicht eine Gruppe nach der anderen nach vorne, während alle anderen immer tiefer in die Seminarraumstühle rutschen und gähnen. Stattdessen wandert die gesamte Gruppe von einer Station zur nächsten. Durch die physische Bewegung und durch die Gleichzeitigkeit der Präsentationen sind Teilnehmer viel fokussierter. Das Energielevel der gesamten Gruppe ist deutlich höher. Folglich entsteht im Zu­sam­men­spiel al­ler Sta­tio­nen aus ver­schie­de­nen Teil­as­pek­ten ein span­nen­des Ge­samt­bild.

  • Mehr Beteiligung: Die Idee beim Gallery Walk ist nicht nur, die Teil­neh­mer von ih­ren Stühlen und aus ih­rer ty­pi­schen Arbeitsumgebung her­aus­zu­ho­len, son­dern auch die Tat­sa­che, dass in die­sem et­was in­ti­me­ren Um­feld der klei­nen Ar­beits­grup­pe mehr Teilnehmer die Chan­ce er­grei­fen wer­den, sich ein­zu­brin­gen, als es in der Großgrup­pe der Fall wäre.

  • Überblick bekommen: Viele Teilnehmer arbeiten an unterschiedlichen Themen ohne andere Themen zu verpassen. Der Gallery Walk ermöglicht es, dass alle Teilnehmer alle Ergebnisse zur Kenntnis nehmen und sich einen Überblick verschaffen können.

  • Zügige Vorstellung von Ergebnissen und eigenständige Schwerpunktsetzung: Mündliche Kommentare zu bestimmten Themen im Plenum ziehen sich oft hin und können oftmals jede Agenda sprengen. Beim Gallery Walk können die Arbeitsergebnisse beispielsweise zügiger vorgestellt werden als bei einer Vortragsreihe.  Gleichzeitig können eigenständig Schwerpunkte gesetzt werden. Die Teilnehmer können mehrere Stationen in kürzerer Zeit besuchen, oder sich intensiver mit einem Thema beschäftigen und gezielte Rückfragen stellen. Folglich ermöglicht die Methode es, individuelle Anmerkungen zu einem Themenspektrum einzubringen, ohne die Zeit aller in Anspruch zu nehmen, wie dies bei mündlichen Kommentaren im Plenum der Fall wäre.

  • Aha-Effekte werden gefördert: Immer im eigenen Saft zu schmoren, führt manchmal zu einem Tunnelblick, in dem offensichtliche Lösungen nicht gesehen werden. Beim Gallery Walk wird der Austausch zwischen den Mitarbeitern gefördert – und führen oft zu sehr nahe liegenden Aha-Effekten.